Muss es eine OP sein?
Myome & Adenomyose. Mit Dr. med. Cornelia Dewald, Oberärztin, Medizinische Hochschule Hannover. Zu Gast bei Prof. Dr. Peter Minko.
Die Folge in 60 Sekunden
Myome sind gutartig und sehr häufig. Zwischen 45 und 50 Jahren haben über 60 Prozent der Frauen eines oder mehrere. Nicht jedes macht Beschwerden.
Für ein genaues Bild empfiehlt Dewald ein MRT: ohne Röntgenstrahlen und mit Lage, Größe und Form jedes Myoms.
Bei der Myomembolisation werden die Arterien zum Myom über einen Zugang von etwa 2 Millimetern verschlossen. Das Myom schrumpft, die Gebärmutter bleibt.
Wer eine Operation angeboten bekommt, darf nach Alternativen fragen. Eine Zweitmeinung lohnt sich.
Myome und Adenomyose: Muss die Gebärmutter raus?
Aus Folge 03 mit Dr. med. Cornelia Dewald8 Min. Lesezeit
„Stell dich nicht so an“ Läuft gerade
Peter Minko kennt das aus seiner Ambulanz: Viele Frauen mit starken Regelschmerzen und Blutungen haben jahrelang Sätze gehört wie „Stell dich nicht so an“. Cornelia Dewald hat dieselbe Erfahrung gemacht. Manche Frauen wurden zunächst auch von ihrer Frauenärztin oder ihrem Frauenarzt nicht ernst genommen. Das belastet, oft auch seelisch.
„Der eine empfindet leichten Schmerz schon als starken Schmerz. Jemand anders sagt bei starkem Schmerz noch: Na ja, es geht schon.“
Myome sind gutartige Tumoren der Gebärmutter. Gutartig heißt hier: Sie haben nichts mit Krebs zu tun. Sie sind der häufigste gutartige Tumor bei Frauen und werden mit dem Alter häufiger. Zwischen 45 und 50 Jahren haben über 60 Prozent der Frauen ein oder mehrere Myome. Viele merken davon nichts, weil nicht jedes Myom groß genug ist, um Beschwerden zu machen.
Welche Beschwerden ein Myom macht, hängt davon ab, wo es wächst. Drückt es auf die Blase, gibt es Probleme beim Wasserlassen, drückt es auf den Enddarm, beim Stuhlgang. Häufig sind verstärkte Blutungen und starke Schmerzen während der Periode. Sind die Blutungen über lange Zeit sehr stark, kann eine Blutarmut entstehen.
„Myome haben nichts mit Krebs zu tun. Das sind gutartige Tumoren, die nicht gefährlich sind. Die sind einfach nur unangenehm.“
Myom oder Adenomyose? Läuft gerade
Weniger bekannt ist die Adenomyose. Die Gebärmutter ist aus Schichten aufgebaut. Innen liegt die Schleimhaut, die bei der Regelblutung abgestoßen wird, darunter die Muskelschicht. Wächst Gewebe, das der Schleimhaut ähnelt, in diese Muskelschicht hinein, spricht man von Adenomyose.
„Die Myome kann man sich wie so einen Ball vorstellen. Und die Adenomyose ist mehr wie ein Grasrasen.“
Auch die Adenomyose kann starke Blutungen und Schmerzen verursachen. Auf Blase oder Darm drückt sie seltener, weil sie keine kugelige Form hat. Und sie ist schwerer zu erkennen. Das ist wohl ein Grund, warum kaum jemand den Begriff kennt.
Wie wird es erkannt? Läuft gerade
Der erste Schritt ist meist der Ultraschall bei der Frauenärztin oder beim Frauenarzt, über den Bauch oder durch die Scheide. Damit lässt sich gut erkennen, ob überhaupt etwas auffällig ist.
Für die genaue Planung empfiehlt Dewald jeder Patientin ein MRT. Es kommt ohne Röntgenstrahlen aus, was gerade für junge Frauen wichtig ist. Und es zeigt, in welcher Schicht ein Myom liegt, wie groß es ist, ob es einen Stiel hat und ob es nach innen oder nach außen wächst. Auch Bösartiges lässt sich damit besser abgrenzen. Ein CT kann das in dieser Körperregion nicht in gleicher Weise.
„Ich würde wirklich jeder Patientin zum MRT empfehlen.“

Medikamente, Operation oder Embolisation Läuft gerade
Es gibt drei Wege. Medikamente können Myome schrumpfen lassen und die Beschwerden lindern. Werden sie abgesetzt, wachsen die Myome meist wieder oder die Beschwerden kehren zurück. Eine junge Frau müsste sie unter Umständen viele Jahre nehmen, bis zu den Wechseljahren, in denen die Beschwerden meist nachlassen.
Bei einer Operation wird entweder nur das Myom entfernt oder, bei mehreren oder sehr großen Myomen, die ganze Gebärmutter. Das ist ein großer Eingriff. Danach ist keine Schwangerschaft mehr möglich. Und manche Frauen merken erst hinterher, wie sehr ihnen der Verlust auch seelisch zu schaffen macht.
Der dritte Weg ist die Myomembolisation, auch Embolisation der Gebärmutterarterien genannt. Das Verfahren ist seit Jahrzehnten etabliert. Myome brauchen viel Blut, um zu wachsen. Sie bekommen es aus den beiden Gebärmutterarterien, einer auf jeder Seite. Über einen Katheter werden winzige Kunststoffpartikel im Mikrometerbereich gezielt in diese Arterien gegeben, bis kein Blut mehr zum Myom fließt. Das Myom reagiert darauf empfindlicher als die übrige Gebärmutter. Es schrumpft, die Gebärmutter bleibt.
„Die Myome werden mit Blut versorgt, sonst können sie ja gar nicht wachsen.“
So läuft der Eingriff ab Läuft gerade
„Man macht keinen großen Schnitt, sondern nur ein ganz kleines Löchlein.“
Aufnahme meist am Vortag: Blutabnahme und ein ausführliches Gespräch.
Örtliche Betäubung in der Leiste. Eine Vollnarkose ist nicht nötig. Man kann reden oder Musik hören.
Ein Schnitt von etwa 2 Millimetern, dünner als eine Spaghetti. Darüber führt der Katheter bis in die Gebärmutterarterien.
Danach Druckverband und etwas Bettruhe. Essen und Trinken sind erlaubt.
Von Anfang an Schmerzmittel nach festem Schema, weil das Myom auf den fehlenden Blutfluss mit Schmerzen reagieren würde.
Etwa drei bis vier Tage im Krankenhaus. Wem es früher gut geht, darf früher nach Hause.
Was dafür spricht und was dagegen Läuft gerade
Für die Embolisation spricht vor allem, was fehlt: ein großer Schnitt und damit auch innere Narben. Nach Bauchoperationen kann es Verwachsungen geben, nach der Embolisation nicht. Man erholt sich schneller, bleibt kürzer im Krankenhaus und kann den Eingriff bei Bedarf wiederholen.
Nicht behandelt werden Myome, die keine Beschwerden machen. Und selten sind die Gefäße von Gebärmutter und Eierstöcken so eng verbunden, dass Dewald auf die Embolisation verzichtet, um die Eierstöcke nicht zu gefährden.

In ihrer Klinik liegt die Erfolgsrate bei etwa 80 Prozent, sagt Dewald. Neue Myome können sich später trotzdem bilden. Das gilt nach einer Operation genauso, und eine Embolisation lässt sich wiederholen. Auch große Myome lassen sich embolisieren. Vorsichtig ist man bei gestielten Myomen, die in den Bauchraum wachsen.
„Bei uns in der Praxis haben wir eine Erfolgsrate von um 80 Prozent.“
Warum kennen so wenige diese Behandlung? Läuft gerade
Mit Beschwerden gehen Frauen zuerst zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt. Die empfehlen naturgemäß zuerst die Verfahren ihres eigenen Fachs. Besser wird es dort, wo Gynäkologie und Radiologie in Myomzentren zusammenarbeiten. Viele Patientinnen finden den Weg zur Embolisation trotzdem noch über eigene Recherche.
„Die Gynäkologen sind von ihren Therapieverfahren natürlich genauso begeistert wie wir von unseren.“
Mythos oder Wahrheit? Läuft gerade
Zum Schluss hat Peter Minko Aussagen mitgebracht, die Cornelia Dewald immer wieder hört. Was meinst du?
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