Was kann interventionelle Schmerztherapie leisten?
Schmerzen gezielt behandeln. Mit Dr. med. Elif Can, M.A., Oberärztin der interventionellen Radiologie in Freiburg. Zu Gast bei Prof. Dr. Peter Minko.

Folge 04 · 71 Min.
Die Folge in 60 Sekunden
Dünne Nadeln erreichen Nerven unter CT- oder Ultraschallkontrolle. Katheter gelangen über Blutgefäße zur Zielregion.
Eine Testblockade mit örtlicher Betäubung kann helfen, die Schmerzquelle einzugrenzen. Die Medikamentenwirkung geht wieder zurück.
Bei einer Pudendusneuralgie sind im MRT nicht unbedingt Veränderungen sichtbar. Die Beschwerden und die Reaktion auf eine Blockade spielen eine wichtige Rolle.
Zur Gelenkembolisation gibt es ermutigende Studien. Offene Fragen, der Placeboeffekt und Grenzen bei starkem Verschleiß gehören zur Einordnung.
Schmerzen gezielt behandeln: Was Nadeln und Katheter leisten können
Aus Folge 04 mit Dr. med. Elif Can, M.A.5 Min. Lesezeit
Ein langer Weg zur Hilfe Läuft gerade
Viele Menschen leben lange mit Schmerzen und gehen von einer Fachrichtung zur nächsten. Elif Can beschreibt, wie belastend diese Suche sein kann. Für die interventionelle Radiologin gehört deshalb nicht nur der Eingriff zur Behandlung: Sie möchte die Beschwerden verstehen und die Menschen begleiten. Auch wenn sie selbst kein geeignetes Verfahren anbieten kann, endet ihre Aufgabe nicht.
„Wir müssen schauen, zu welcher Fachabteilung ich Sie sozusagen weitergeleiten kann.“
Zwei Wege zur Zielregion Läuft gerade
Die Werkzeuge sind klein: dünne Hohlnadeln und feine Kunststoffschläuche, die Katheter. CT oder Ultraschall helfen dabei, eine Nadel genau an die ausgewählte Struktur zu führen. Katheter werden unter Bildkontrolle durch die Blutgefäße vorgeschoben.
Die Zielstruktur wird anhand der Beschwerden und der Bildgebung eingegrenzt.
Die Hohlnadel wird unter Bildkontrolle platziert; anschließend wird ihr spitzer Innenteil entfernt.
Durch die Nadel kann Kontrastmittel zur Kontrolle oder ein Medikament gegeben werden.
Erst testen, dann weiterentscheiden Läuft gerade
Bei Nervenschmerzen kann eine örtliche Betäubung zunächst zeigen, ob die vermutete Struktur tatsächlich zum Schmerz beiträgt. Die Betroffenen sind dabei wach und können Rückmeldung geben. Die Wirkung dieser Testblockade ist vorübergehend. Je nach Situation kommen wiederholte Blockaden oder Verfahren infrage, die ausgewählte Nervenstrukturen mit Hitze, Kälte oder medizinischem Alkohol veröden.
Bei Tumorschmerzen können auch der Tumor selbst oder seine versorgenden Gefäße behandelt werden. Elif Can nennt Hitze, Kälte und den gezielten Gefäßverschluss. Die Datenlage zur örtlichen Behandlung von Tumorschmerzen bewertet sie als gut.
Beckenschmerzen, die im Bild nicht auffallen Läuft gerade
Elif Can erzählt von einem jungen Arzt mit Pudendusneuralgie, also Schmerzen im Bereich des Pudendusnervs im Becken. Geschlechtsverkehr und Fahrradfahren waren schmerzhaft, der Alltag litt, seine Partnerschaft zerbrach. Er hatte bei verschiedenen Fachrichtungen Hilfe gesucht. Im MRT ist bei dieser Erkrankung nicht unbedingt etwas Auffälliges zu sehen.
Im geschilderten Fall wurde der Nerv unter CT-Kontrolle blockiert. Der Patient spürte unmittelbar Erleichterung, umarmte einen Mitarbeiter und weinte. Später kam er etwa alle drei Monate zur erneuten Blockade. Es ist ein einzelner Verlauf, keine Zusage für andere Betroffene.
Wenn das Knie weiter schmerzt Läuft gerade
Ein weiterer Patient hatte trotz künstlichem Kniegelenk weiterhin Schmerzen. An seinem Beispiel erklärt Elif Can die Gelenkembolisation: Kleine, neu entstandene Blutgefäße im schmerzhaften Bereich werden über einen Katheter gezielt verschlossen. Das Verfahren wird auch bei Arthrose ohne künstliches Gelenk eingesetzt. Dabei arbeitet die Radiologie mit der Orthopädie zusammen.
Ermutigende Daten, aber kein Allheilmittel Läuft gerade
Peter Minko berichtet von einer Zusammenfassung bisheriger Studien mit guten Ergebnissen. Zugleich betont er den hohen Placeboeffekt bei Arthrose und die Bedeutung kontrollierter Studien. Elif Can bezeichnet die Gelenkembolisation als relativ junges Verfahren. Bei sehr weit fortgeschrittenem Verschleiß, wenn Knochen auf Knochen trifft und die Gelenkachse deutlich verändert ist, sieht sie Grenzen.
Physiotherapie und weitere begleitende Maßnahmen bleiben Teil der Behandlung. Auch das Ziel ist persönlich: Für manche Menschen bedeutet schon eine teilweise Schmerzreduktion eine wichtige Verbesserung. Eine Schmerzskala hilft beim Vergleich vor und nach der Therapie, bildet aber nicht jede individuelle Erfahrung ab.
Warum die Möglichkeiten oft unbekannt bleiben Läuft gerade
Die Verfahren sind nach Elif Cans Darstellung häufig an spezialisierten Zentren zu finden und nicht überall im Blick. Sie sieht auch die Radiologie in der Verantwortung, ihre Möglichkeiten sichtbarer zu machen. Peter Minko beschreibt das Fach als Verbindung zwischen verschiedenen Fachrichtungen: Befunde können zusammengeführt und passende Behandlungswege aufgezeigt werden. Schmerzmedizin bleibt eine gemeinsame Aufgabe.
Mythos oder Wahrheit? Läuft gerade
Zum Abschluss ordnet Elif Can verbreitete Aussagen ein: über unauffällige MRT-Bilder, Kortison, Opioide, Vollnarkose und künstliche Kniegelenke.
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