Was hilft bei chronischen Schmerzen?
Chronischer Schmerz. Mit Dr. med. Alexander Loizides, Medizinische Universität Innsbruck. Zu Gast bei Prof. Dr. Peter Minko.
Die Folge in 60 Sekunden
Schmerzen am Bewegungsapparat sind sehr häufig: Rücken, Knie, Arthrose, gereizte Sehnen. Nach Daten der WHO betrifft das über 1,5 Milliarden Menschen.
Beim Karpaltunnelsyndrom spaltet Loizides das einengende Band von innen, unter Ultraschall, über einen Schnitt von 3 Millimetern. Ambulant, in etwa 3 Minuten, ohne Gips.
Bei Arthrose und gereizten Sehnen wachsen krankhafte kleine Gefäße ein. Werden sie verschlossen, kann der Schmerz nachlassen.
Bei mechanischen Problemen wie einem eingeklemmten Meniskus und bei Schmerzen aus der Wirbelsäule hilft die Embolisation nicht.
Chronische Schmerzen: Was die Radiologie gezielt dagegen tun kann
Aus Folge 02 mit Dr. med. Alexander Loizides8 Min. Lesezeit
Schmerz in Zahlen Läuft gerade
Schmerzen am Bewegungsapparat sind kein Randthema. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden über 1,5 Milliarden Menschen daran. Am häufigsten ist der Rückenschmerz, danach folgen Knieschmerzen, Arthrose und Tendinopathien.
Tendinopathien sind krankhafte Veränderungen von Sehnen, etwa an der Achillessehne, am Ellbogen oder an der Fußsohle. Die Sehne verdickt sich, kleine Gefäße wachsen ein, und das schmerzt. Für einen Tennis- oder Golferellbogen braucht es übrigens keinen Sport. Auch die Arbeit mit der Computermaus kann reichen.
Loizides arbeitet viel mit Ultraschall. Dessen größter Vorteil: Man sieht in Echtzeit, wie sich ein Gelenk oder ein Finger bewegt. Moderne Schallköpfe zeigen Nerven, die dünner als ein halber Millimeter sind.
„Man kann in Echtzeit ein Gelenk bewegen, einen Finger bewegen.“
Wenn die Hand nachts kribbelt Läuft gerade
Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Erkrankung, bei der ein Nerv eingeengt wird. Am Handgelenk läuft der Nervus medianus durch einen Tunnel, über den sich ein kräftiges Band spannt. Wird es dort zu eng, drückt das auf den Nerv. Jedes Jahr erkranken etwa 1 bis 3 von 1.000 Menschen neu.
Typisch sind Kribbeln und Missempfindungen in Daumen, Zeige- und Mittelfinger und an der Innenseite des Ringfingers. Die Schmerzen kommen oft nachts. In fortgeschrittenen Stadien kann sich die Muskulatur zurückbilden.
„Das Karpaltunnelsyndrom ist die häufigste Kompressionsneuropathie.“
3 Millimeter statt 3 Zentimeter Läuft gerade
Bei der offenen Operation schneidet man etwa 3 Zentimeter in der Handfläche, genau dort, wo die Hand beim Greifen belastet wird. Loizides kommt mit einem Schnitt von 3 Millimetern aus, etwa 2 Zentimeter oberhalb des Handgelenks. Genäht werden muss nichts.
„Das sage ich immer: 3 Millimeter statt 3 Zentimeter.“
Voraussetzung ist ein neurologischer Befund: Die Messung der Nervenleitung muss das Karpaltunnelsyndrom bestätigen.
Ultraschall der Hand, um andere Ursachen wie ein Ganglion oder einen Tumor auszuschließen.
Ambulant und mit örtlicher Betäubung. Die Hand liegt ausgestreckt auf einer Schiene.
Über den winzigen Schnitt kommen eine Knopfkanüle und ein Hakenmesser. Unter Ultraschall wird das Band von innen gespalten.
Noch während des Eingriffs wird geprüft, ob das Band vollständig durchtrennt ist.
Pflaster und Druckverband, kein Gips. Die Hand soll gleich bewegt werden.
Kontrolle nach zwei Wochen, wieder mit Ultraschall.
Die nächtlichen Schmerzen verschwinden laut Loizides meist schon am ersten Tag. Die Taubheit von der Betäubung hält ein paar Tage an. Komplikationen sind sehr selten. Dass das Band nicht vollständig durchtrennt ist, kommt im Promillebereich vor und lässt sich sofort korrigieren.

Gefäße verschließen gegen den Schmerz Läuft gerade
Embolisation heißt: Gefäße gezielt verschließen. Bei Arthrose oder gereizten Sehnen wachsen krankhafte kleine Gefäße in das Gewebe ein. Sie sind ungeordnet, mit Engstellen, Verschlüssen und Kurzschlüssen. Werden sie verschlossen, kann der Schmerz nachlassen.
Klassisch geht das über einen Katheter, meist von der Leiste aus, bis in die kleinen zuführenden Arterien. Für Hand, Ellbogen, Knie und Fuß gibt es eine Variante aus Japan, entwickelt von Yuji Okuno: Eine kleine Arterie in der Nähe wird direkt mit einer sehr feinen Nadel punktiert. Dann werden winzige Kügelchen eingespritzt, die sich schnell wieder auflösen.
Der Trick dabei: In gesunden Gefäßen lösen sich die Kügelchen sofort auf. In den krankhaften Gefäßen bleiben sie hängen und verschließen sie, bis sie sich nach höchstens zwei Stunden ebenfalls auflösen. Eine Blutdruckmanschette sorgt dafür, dass sich das Mittel dort sammelt, wo es wirken soll. Der eigentliche Eingriff dauert nur Sekunden.
„Es fühlt sich alles leicht an. Das ist das, was ich mittlerweile so häufig höre.“
Nicht jeder spricht auf die Behandlung an. Wer eine Besserung hat, merkt sie oft schon nach der ersten Punktion. Bei Bedarf lässt sie sich ein zweites oder drittes Mal wiederholen.
Wo es helfen kann Läuft gerade
Peter Minko nennt Beschwerden, Loizides schätzt auf einer Skala von 1 bis 10 ein, wie gut sich die Nadel-Methode eignet. Wo er lieber klassisch mit dem Katheter arbeitet, sagt er es dazu. Das ist seine persönliche Erfahrung, keine Leitlinie und keine Erfolgsquote.
Allen diesen Beschwerden ist eines gemeinsam: krankhafte neue Gefäße im Gewebe. Von außen sieht man sie nicht, im Ultraschall oder MRT schon.
Für wen es nicht passt und was die Daten sagen Läuft gerade
Bei mechanischen Problemen hilft die Embolisation nicht, etwa bei einem eingeklemmten Meniskus oder einer Einklemmung im Hüftgelenk. Auch Schmerzen, die von der Wirbelsäule ausstrahlen, behandelt Loizides so nicht.
Für die klassische Embolisation nennt er einen Nutzen bei etwa 70 bis 75 Prozent der Patienten. Zur Nadel-Methode laufen größere Studien noch, die ersten Erfahrungen liegen für ihn bei 60 bis 70 Prozent. Dass bei Schmerzbehandlungen auch ein Placeboeffekt mitspielt, sprechen beide offen an. Die Daten zur klassischen Embolisation zeigen aber eine anhaltende Wirkung.
Wie bei jeder Punktion kann es zu einer Blutung, einer Infektion oder einer Verletzung von Gefäß oder Nerv kommen. Weil unter Ultraschall gearbeitet wird, ist das sehr selten.

Für alle, aber in erfahrenen Händen Läuft gerade
Mit Yuji Okuno hat Loizides ein Buch über die Methode geschrieben. Ein Gedanke darin: Die Behandlung soll allen Menschen zugänglich werden, auch in Ländern ohne Angiografie-Anlage, in denen nur ein Ultraschallgerät steht. Trotzdem gehört sie für ihn in erfahrene Hände. Es geht nicht nur darum, die Nadel ins Gefäß zu setzen. Man muss auch wissen, welcher Nerv direkt daneben liegt.
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